Mecklenburg

Mecklenburg bietet so viel Wasser für ein kleines Boot, dass eine allgemeine Revierbeschreibung nur einen groben Überblick geben kann:

Durch seine vielen Wasserstraßen und unbeweglichen Brücken befindet man sich hier eigentlich eher in einem Motorboot-Revier. Das heißt: Wer sich nicht unbedingt auf einzelne und/oder große Seen (Müritz, Schweriner, Plauer, Kumerower oder Tollensesee) festlegen will, sondern die Vielfalt sucht und das Wasserwandern liebt, sollte sich auf häufiges Maststellen und -legen sowie längere Maschinenfahrten einstellen. Da ergeben auch vorab ein paar technische Überlegungen und Einrichtungen Sinn. Auch begegnen dem Skipper hier sehr viele Schleusen, die im Spitzenbetrieb auch lange(!) Wartezeiten eruieren können.

All diese Widrigkeiten lohnen, überwunden zu werden - denn die Gewinne sind gewaltig: Abenteuer, Luxus, Reisefreude, Geschichte, Abwechslung, Erlebnis, Ruhe, Natur... 

Zunächst:
Eine FAM darf hier führerscheinfrei gefahren werden und das Ankern ist überall erlaubt, solange es nicht den Verkehr stört oder explizit untersagt ist.

In den Kanälen darf nicht gesegelt werden.

Von einzelnen (mitunter auch großen) Seen abgesehen gibt es drei miteinander verbundene Hauptrouten entlang von drei Wasserstraßen:
1. Die Müritz-Havel Wasserstraße (MHW) von Rechlin bis Priepert, wo sie in die 
2. Obere Havel Wasserstraße (OHW)mündet, die von Neustrelitz bis hinter Zehdenick (dann schon Brandenburg) führt und schließlich
3. Die Müritz-Elde Wasserstraße (MEW) von Schwerin bis Rechlin (wo sich die MHW anschließt).

Gerade die MEW durchfließt die großen Seen, wie die Müritz, den Fleesen-, Kölpin-, und Plauer See bis hin zum Schweriner See - hier lohnt das Segelsetzen ganz bestimmt. Schwerin als Residenz mit dem drittgrößten Binnensee Deutschlands ist eine eigene Beschreibung wert. Von dort müsste man 280 km Kanal (hauptsächlich die Elde) bis Plau unter Kiel nehmen, wenn man die "großen Seen" Richtung Müritz erreichen will. Auch diese wäre als größter deutscher Binnensee ihren eigenen Text wert - gerade was das nicht immer einfache Befahren und Segeln angeht. Das Städtchen Waren ist eine alte und gut polierte Perle am Ufer.

Von der Müritz an die Brandenburgische Landesgrenze fährt man auf der MHW über Mirow, der Keimzelle Strelitz'schen Fürstentums. Der Vilz- und der Labussee sind besonders naturbelassen und gut unter Segel zu nehmen. Bei Großzerlang erreicht man schon Brandenburg und könnte von hier bis Rheinsberg oder, wiederum davon abstechend, über drei Seen bis Flecken Zechlin weiter fahren.

Die zweite Residenz des geteilten nordöstlichen Geschlechts wäre mit Neustrelitz dann auch der Startpunkt der dritten Route, der OHW über Wesenberg, Priepert und Fürstenberg bis über den Stolpsee hinaus. Hier lohnt der überaus romantische Abstecher von Kloster Himmelpfort bis Lychen. (Würde man der OHW weiter folgen, käme man an den Templiner Gewässern vorbei und über die Havel-Oder Wasserstraße (HOW) nach Berlin oder auch über die Oder bis in die Ostsee.) 

Fazit: 
Ein vielseitiges, schier unendliches Revier mit echten Herausforderungen. Wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt; er erlebt Entschleunigung, Natur und Kultur: Pittoreske Orte voller Geschichte, Schlösser, Parks und Klöster wechseln sich in so einen Urlaub mit Fischerhütten oder beschaulichen Restaurants am Wasser und stillen Buchten ab. Die nächtliche Ruhe ist ein wahrer Traum.

Die Schwertkurbelausgaben April 2025 (MHW), Dezember 2025 (OHW) und voraussichtlich Dezember 2026 (MEW) enthalten umfassende Beschreibungen mit Reiseberichten.

Für weitere Fragen steht der Autor gerne unter info@marionettentruhe.de oder 0151 178 576 80 zur Verfügung.

Gernot Hildebrand 
Stand 03/26